Artikel 2 - Fahrwerksbegriffe: Sag, Rebound, Compression & Co.
- David Rüst
- 22. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Fahrwerksbegriffe endlich verstehen (statt nur dran zu drehen)
Viele Fahrer drehen an Klicks, ohne wirklich zu wissen, was sie verändern. Das Resultat: Zufall statt System.
In diesem Artikel lernst du die wichtigsten Fahrwerksbegriffe so, dass du Setups verstehst, vergleichen kannst und gezielt besser wirst – egal ob du selbst schraubst oder mit einem Tuner arbeitest.
Teil der Serie: MTB-Raceshop Pro Suspension.

1) Die Basis: Federweg, Sag & Arbeitsbereich
Federweg beschreibt, wie weit Gabel oder Dämpfer maximal einfedern können (z. B. 170 mm). Wichtig – aber selten der Hebel, der dein Fahrgefühl wirklich verändert. Entscheidend ist, wie du den Federweg nutzt.
Sag ist dein statischer Einsinkweg im Stand – mit kompletter Ausrüstung. Er ist der Startpunkt jedes Setups.
Zu wenig Sag → hart, wenig Grip, nervös
Zu viel Sag → tief im Federweg, instabil, unruhig beim Pedalieren
Negativfederweg / Top-Out ist der Bereich, den das Fahrwerk braucht, um kleine Schläge sensibel zu schlucken und konstant Bodenkontakt zu halten. Ohne ausreichend Negativfederweg: weniger Grip, weniger Kontrolle.
2) Federkennlinie: linear vs. progressiv
Die Federkennlinie beschreibt, wie stark der Widerstand über den Federweg ansteigt.
Linear → gleichmäßiger Widerstand (typisch Coil)
Progressiv → wird zum Ende deutlich härter (typisch Luftfeder)
Warum das wichtig ist:
Progression schützt vor Durchschlägen
Sie bestimmt, wie viel Support im mittleren und unteren Federweg vorhanden ist
Zentrale Begriffe:
Bottom-Out → Durchschlag am Federwegende
Midstroke-Support → Halt im mittleren Federweg gegen Wegsacken
3) Dämpfung: Compression & Rebound – die zwei Richtungen
Dämpfung kontrolliert nicht die Härte, sondern die Geschwindigkeit der Bewegung.
Compression (Druckstufe)
Regelt, wie stark das Fahrwerk beim Einfedern gebremst wird.
Mehr Compression → mehr Support, weniger Wippen
Zu viel → weniger Komfort, weniger Grip
Zu wenig → Bike sackt weg, fühlt sich undefiniert an
Rebound (Zugstufe)
Regelt, wie schnell das Fahrwerk nach dem Einfedern wieder ausfedert.
Zu schnell → nervös, kickt, verliert Linie
Zu langsam → Fahrwerk „packt“, wird hart, nutzt Federweg schlecht
4) Low-Speed vs. High-Speed – der häufigste Denkfehler
Low- und High-Speed haben nichts mit deiner Fahrgeschwindigkeit zu tun. Gemeint ist die Geschwindigkeit der Dämpferbewegung.
Low-Speed-Compression (LSC)
Wirkt bei langsamen Bewegungen:
Bremsen
Anlieger
Pumpen
Gewichtsverlagerung
Effekte:
Mehr LSC → mehr Support, höher im Federweg
Zu viel → weniger Grip auf kleinen Unebenheiten, harsches Gefühl
High-Speed-Compression (HSC)
Wirkt bei schnellen, harten Schlägen:
Wurzeln
Steine
Drops
harte Kanten
Effekte:
Mehr HSC → mehr Schutz, mehr Kontrolle bei Einschlägen
Zu viel → bockig, hart, deflektiert, verliert Traktion
Rebound Low / High (falls vorhanden)
Gleiches Prinzip fürs Ausfedern:
LSR → Grundtempo des Ausfederns
HSR → Rückstellung nach harten Schlägen
5) Tokens / Volumenspacer & Luftdruck
Luftdruck
bestimmt Sag
bestimmt deine Grundhöhe im Federweg
Tokens / Volumenspacer
machen die Luftfeder progressiver
beeinflussen fast nur den Endbereich
Merksatz:
Luftdruck = wo du im Federweg stehst
Tokens = wie stark es am Ende ansteigt
Zu viele Tokens → Federweg wird schlecht genutzt
Zu wenige → häufige Bottom-Outs
6) Plattform, Lockout & Pedal-Mode (richtig eingeordnet)
Diese Modi erhöhen meist die Low-Speed-Dämpfung, um Wippen zu reduzieren. Für Gravity-Abfahrten gilt fast immer: offen fahren – alles andere ist ein Kompromiss.
7) Typische Symptome → was wirklich dahinter steckt
Damit Begriffe nicht abstrakt bleiben:
Armpump / wenig Komfort → zu wenig Sag, zu viel LSC/HSC, Rebound nicht im Fenster
Bike nicht balanciert
Bike nervös, kickt → Rebound zu schnell, oft kombiniert mit zu wenig HSC
Bike sackt weg, fühlt sich schwammig an → zu viel Sag, zu wenig LSC, zu wenig Midstroke-Support
Fahrwerk wird im Run immer härter → Rebound zu langsam (Packing) oder Temperatur/Fading-Thema
Ausblick
Im nächsten Artikel wird’s praktisch: Sag korrekt einstellen + reproduzierbares Basis-Setup Schritt für Schritt.
Wenn du dein Setup nicht erraten willst, sondern verstehen möchtest:
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